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Praxistipps Bäume

Raum und Zeit für die Entwicklung von Insekten schaffen

Mit der Auswahl von Bäumen und Sträuchern für einen Standort trifft man eine Entscheidung für die kommenden Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte. Mit einigen wenigen Regeln können mit Gehölzen Lebensräume für Insekten bewahrt oder geschaffen und so die Artenvielfalt erhöht werden.

>>Hinweis: die folgenden Punkte sind obligatorisch<<

(1) Vorhandene Gehölze erhalten. Erst nach mehreren Jahren oder sogar Jahrzehnten entfalten Gehölze ihre volle ökologische und klimaregulierende Wirkung. Alte Bäume haben deshalb einen besonders hohen Wert und sollten einen besonderen Schutz genießen.

(2) Bei Neupflanzungen einheimische Gehölzarten bevorzugen. Auf einheimischen Gehölzen leben zehn- bis hundertmal so viele Insektenarten wie auf gebietsfremden Gehölzen. Bei geeigneten Standortbedingungen sollten deshalb stets einheimische Gehölze bevorzugt werden.

(3) Genetische Vielfalt fördern. Wenn man einen Baum pflanzt, soll dieser Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte wachsen. In dieser langen Zeit wird sich das Klima und das Auftreten von Krankheiten und Schaderregern verändern. Es braucht deshalb Bäume mit unterschiedlichen Eigenschaften, um das Risiko zu mindern, dass alle Bäume unter zukünftigen Bedingungen gleichermaßen leiden. Pflanze deshalb verschiedene Baumarten und nutze innerhalb einzelner Baumarten deren genetische Variabilität, in dem Du mit Saatgut arbeitest. Verzichte auf das Pflanzen von Sorten (Ausnahme: Obst), denn diese sind vegetativ vermehrt, das heißt, alle Individuen sind genetisch identisch.

(4) Wenn gebietsfremde Arten gepflanzt werden, dann solche aus möglichst nahen Verwandtschaftsgruppen und Regionen verwenden. Je größer die verwandtschaftliche und regionale Entfernung einer Baumart zu einheimischen Baumarten ist, desto weniger ist sie als Lebensgrundlage für einheimische Insekten geeignet. Da auch zukünftige Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt werden müssen, sollte bei der Auswahl hitze- und trockenheitstoleranter Gehölzarten zunächst die Variabilität einheimischer Gehölzarten und erst dann nahe Verwandte einheimischer Gehölze (gattungsgleiche Arten) z. B. aus Süd- oder Südosteuropa zurückgegriffen werden.

(5) Sterbende oder tote Bäume erhalten. Stehendes Totholz, Baumstümpfe, abgestorbene Äste und Zweige sind ein wichtiger Lebensraum für viele Insektenarten. Viele dieser Insektenarten sind zudem auf eine dieser Totholzformen angewiesen und können sich nicht in liegendem Totholz entwickeln, das sich schnell mit Feuchtigkeit vollsaugt. Wo möglich, sollte Totholz stehend belassen oder Stämme später wieder aufgerichtet werden, solange dadurch niemand gefährdet wird.

Weitere, nicht obligatorische Punkte findest Du in den nachfolgenden Kapiteln.

Großer Fuchs, Nymphalis polychloros. © Konrad Thomas

Samen verwenden

Bäume auszusäen scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, weil wir es gewohnt sind, Bäume zu pflanzen. Aber in den Samen einer Baumart steckt genetische Vielfalt, die durch geschlechtliche Vermehrung entsteht. Es sollten mehr Samen ausgesät werden, als man Bäume haben möchte. Nicht alle Keimlinge werden gleich gut wachsen und der Schnellwüchsigste muss nicht immer der Vitalste sein. So kann man mit den an den Standort am besten angepassten Individuen weiterarbeiten. Keimlinge können im Vergleich zu gepflanzten Bäumen übrigens auch deshalb vitaler sein, weil sie nicht umgepflanzt werden.

Gute Bedingunen für Bäume schaffen

Ein großes Problem für Bäume im Siedlungsbereich ist die Bodenverdichtung. Wurzeln sind in stark verdichteten Böden schlechter belüftet und können stark verdichteten nicht durchwachsen. Vor der Pflanzung deshalb den Boden gut auflockern. Baumscheiben mit Mulch abdecken, damit der Boden nicht so stark austrocknet. Dies bietet auch vielen Insektenarten eine Überwinterungsmöglichkeit. Bei Trockenheit das Wässern nicht vergessen.

Feuerwanze, Phyrrocoris apterus. © Jennifer Wintergerst

Bäume in Gruppen pflanzen

Besteht die Möglichkeit, Bäume in Gruppen pflanzen, auch in Kombination mit Gebüschen, wird die Stammbasis beschattet und in Gehölzgruppen kann sich ein mildes Innenklima bilden, das die Gehölze widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit macht.

Gehölze, die besonders vielen Insektenarten Lebensraum bieten

Sal-Weide, Trauben- und Stieleiche, Hänge-Birke, Vogel-Kirsche, Zitterpappel, Schwarz-Erle, Eingriffeliger Weißdorn*, Zweigriffeliger Weißdorn*, Großkelchiger Weißdorn*, Holzapfel, Gewöhnliche Hasel*, Feld-Ahorn, Spitz-Ahorn, Hundsrose*, Sommer- und Winterlinde, Hainbuche (Die mit einem * gekennzeichneten Arten sind als Büsche geeignet).

Feuerwanze Phyrrocoris apterus.

Literatur

Literatur

  • Hock, W., H. Kinkler, R. Lechner, F. Nippel, R. Pähler, H. Retzlaff, H. v. d. Schulenburg, W. Schulze, H. Schumacher, W. Vorbrüggen, U. Wasner, A. Weidner & W. Wittland 1997: Praxishandbuch Schmetterlingsschutz. – Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten / Landesamt für Agrarordnung Nordrhein-Westfalen, Recklinghausen. 286 S.
  • Schulz, B. 2014: Gehölzbestimmung im Winter, mit Knospen und Zweigen. – Ulmer, Stuttgart. 360 S.
  • Spohn, M. & R. Spohn 2008: Was blüht denn da? Begründet von D. Aichele. Illustriert von M. Golte-Bechtle. – Franck-Kosmos, Stuttgart. 492 S. [für Einsteiger]

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