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Hecken

Das etwas altertümlich klingende Wort Einfriedung beschreibt, was unsere Vorfahren schaffen wollten, wenn sie ihre Ländereien gegen die Außenwelt abgrenzten: einen Ort, in dem es friedlich zugehen sollte. Sie nutzten dafür sehr oft holzige Pflanzen. Diese tragen zu einem verbesserten Wasserhaushalt bei und speichern erstaunlich viel Kohlendioxid. Im Siedlungsraum werden Hecken heute allzu oft als pflegeleichter, lebender Sichtschutz angelegt. Ganz überwiegend werden einreihig Kirschlorbeer, Thuja und Scheinzypressen genutzt, die ursprünglich aus anderen Teilen der Welt stammen und nicht als Nahrungsgrundlage für einheimische Insektenarten dienen können.

 

Lebensraum Hecke

Hecken mögen für Menschen und größere Säugetiere trennend wirken, für kleinere Tiere sind sie verbindende Elemente, die sich durch unsere Landschaften und Siedlungen ziehen. Igel, Haselmaus und Siebenschläfer können sich entlang und durch diese Hecken hindurch ausbreiten, zueinanderfinden und vermehren. Singvögel brüten in den Hecken. Die Hecken dienen als Verstecke für viele Tierarten und die Laubstreu unter den Hecken für manche Arten als Aufenthaltsort, auch im Winter. Wildbienen finden im Frühjahr Pollen und Nektar an den Blüten der Gehölze. An den Blättern fressen die Larven von Schmetterlingen, mit denen die Vogeleltern ihre Küken füttern und im Herbst bieten die Früchte Nahrung für die ausgewachsenen Singvögel. Insekten können in Hecken mit unterschiedlichen Arten einheimischer Gehölze sehr zahlreich vorkommen. Bei einer Untersuchung in Großbritannien wurden an einer einzigen Feldhecke über 1.500 Insektenarten nachgewiesen. 

Mit den folgenden Grundregeln können Hecken als Lebensraum für viele einheimische Tier- und Pflanzenarten sowie für uns Menschen als Ort für Erlebnisse und Entspannung geschaffen werden.

Das kannst du tun.

Alte Hecken erhalten.

Je älter eine Hecke ist, desto mehr verschiedene Gehölzarten wachsen in ihr und desto mehr Tierarten hatten Zeit, sie zu besiedeln. So kennt man jahrhundertealte Hecken, die besonders artenreich sind. In Hecken findet man insbesondere lichtliebende Gehölzarten, die sonst nur am Waldrand oder auf Lichtungen vorkommen. An einem gut entwickelten Weißdorn beispielsweise leben besonders viele Insektenarten. Mit seinen zahlreichen Dornen bietet er Singvögeln beim Brüten Schutz vor Raubfeinden wie Krähen und Katzen.

Hecken partiell schneiden.

Hecken müssen geschnitten werden, um sie als solche zu erhalten. Ähnlich wie bei Wiesen gilt: durch die Bearbeitung von Teilabschnitten können die verschiedenen Entwicklungsstadien der Insekten in den ungeschnittenen Bereichen überwintern und sich anschließend weiterentwickeln. Im kommenden Winterhalbjahr wird dann umgekehrt verfahren: der zuvor geschnittene Teilbereich bleibt unberührt, der andere wird geschnitten. Während der Vegetationsperiode sollte auf das Schneiden von Hecken verzichtet werden. In dieser Zeit entwickeln sich die Gehölze und bauen Holzkörper und Wurzeln über die Assimilation in den Blättern auf. Bei großer Trockenheit leiden die Gehölze und würden durch einen Schnitt zusätzlich geschwächt werden. Auch gilt es vor allem im Frühjahr und im Frühsommer, die Brutvögel in den Hecken nicht zu stören. Es ist zu empfehlen, den partiellen Schnitt der Hecken jeweils in der Zeit von Oktober bis Februar durchzuführen.

Ein Nektar saugender Schwarzkolbier Braundickopf Thymelicus lineola ist zu sehen.

Bei Neupflanzungen die Vielfalt der Heckengehölze nutzen.

Im Frühjahr blühen unsere einheimischen Gehölze. Eine artenreiche Hecke ist dann ein Dufterlebnis. Wildrosen sollten hier nicht fehlen, zumal sie im Herbst Hagebutten liefern. Mit Obstgehölzen wie Marille, Zwetschge, Kornelkirsche, auf Pflaume veredelte Schlehe, Holunder, Traubenkirsche, Elsbeere, Eberesche, Kirschpflaume, Mispel, Speierling sowie Johannis- und Stachelbeere entstehen Naschhecken, die auch den menschlichen Gaumen erfreuen. Weitere wichtige Heckengehölze sind Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weißdorn, Gewöhnliche Hasel, Feld-Ahorn, Hundsrose und Hainbuche. Dort wo genügend Platz vorhanden ist, empfiehlt sich die Anlage von mehrreihigen Hecken. Diese bieten mehr Raum und Struktur für viele weitere Tierarten, die in einreihigen Hecken nicht vorkommen.

Den Fuß einer Hecke als wichtigen Lebensraum störungsarm halten.

 Auch unter einer Hecke existiert ein wichtiger Lebensraum. Das jährlich herabfallende Laub wird allmählich zersetzt, dadurch kommt es zu einer Schichtung, in der viele Insektenarten leben. Dieser Lebensraum sollte möglichst nicht gestört werden. Im Winter bietet er Unterschlupf für viele Tiere.

Krautreichen Saumbereich mit Stauden entwickeln.

Wo möglich sollte ein krautreicher Staudensaum gesät, gepflanzt oder durch Spontanentwicklung zugelassen werden. Dieser schafft einen artenreichen Übergang zur Hecke, in dem Insekten ein weiteres Nahrungsangebot finden und der Saum trägt zu einem günstigeren Innenklima in der Hecke bei.

Ein Nektar saugender Schwarzkolbier Braundickopf Thymelicus lineola ist zu sehen.

Literatur

  • Franke, J., D. Lehmann, M. Stock & M. Nuß 2024: Ausgewählte Aspekte zu Klimawandel und Biodiversität in Sachsen unter Berücksichtigung der Förderung von Insekten im Siedlungsraum. – Naturschutzarbeit in Sachsen 64/65: 2–19.
  • Hock, W., H. Kinkler, R. Lechner, F. Nippel, R. Pähler, H. Retzlaff, H. v. d. Schulenburg, W. Schulze, H. Schumacher, W. Vorbrüggen, U. Wasner, A. Weidner & W. Wittland 1997: Praxishandbuch Schmetterlingsschutz. – Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten / Landesamt für Agrarordnung Nordrhein-Westfalen, Recklinghausen. 286 S.
  • Marselle, M. R., D. Bowler, J. Watzema, D. Eichenberg, T. Kirsten & A. Bonn 2020: Urban street tree biodiversity and antidepressant prescriptions. – Scientific Reports 10: 22445.
  • Müller, G. 2013: Europas Feldeinfriedungen. – Neuer Kunstverlag, Stuttgart.
  • Schuch, S., T. Kahnis, A. Floren, W. H. O. Dorow, W. Rabitsch, M. M. Goßner, S. M. Blank, A. Liston, A. H. Segerer, T. Sobczyk & M. Nuß 2024: Die Bedeutung von Gehölzen für einheimische, phytophage Insekten. – Natur und Landschaft 99 (4): 174–179 + elektronisches Supplement.
  • Schulz, B. 2014: Gehölzbestimmung im Winter, mit Knospen und Zweigen. – Ulmer, Stuttgart. 360 S.
  • Spohn, M. & R. Spohn 2008: Was blüht denn da? Begründet von D. Aichele. Illustriert von M. Golte-Bechtle. – Franck-Kosmos, Stuttgart. 492 S. [für Einsteiger]

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